Von den Rändern der Krise in das Zentrum der Macht

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Internationaler Aufruf zur Teilnahme an Blockupy 2013 in Frankfurt vom 30. Mai bis zum 1. Juni und an weiteren Protesten gegen die Troika

Überall gibt es Widerstände und Revolten gegen die Krise und das Krisen-Regime, all unsere Kraft wenden wir auf für den realen alltäglichen Kampf um unsere Rechte und unsere Freiheit. Auf diesen Pfeilern wollen wir ein neues Europa begründen – ein Europa der Basis.

Das Europa, in dem wir leben – völlig entfremdet von den ehrbaren Gedanken durch die es einst inspiriert worden sein mag – ist begründet in einer Politik von oben, vorangetrieben durch Pakte und Übereinkünfte zwischen Regierungen. Dies geschah und geschieht entsprechend den Maßgaben einer neoliberalen Ideologie und unter großem Druck der Finanzmärkte und Konzerne. Das Ergebnis ist die Konzentration großer Macht in den Händen einiger weniger Institutionen, die ihrerseits un- mittelbares Sprachrohr von Regierungen sind, die von sich behaupten „die unseren” zu sein.

Jegliche echte Einmischung und Mitsprache von Menschen ist zunehmend und so weit wie möglich unterbunden worden. Und dies wird in Zukunft noch stärker der Fall sein, wenn die nationalen Parlamente nur noch schlicht darüber „in Kenntnis gesetzt” werden, welche Entscheidungen und landesspezifischen Maßnahmen als notwendig und obligatorisch zu ergreifen sind.

Die Politik, die die Troika aufzwingt, ist rücksichtslos und brutal. Sie basiert einzig auf Austerität, die über unsere Leben verhängt wird – in Form der Privatisierung von Gemeingütern, Kürzungen in Sozialausgaben und Solidarität, strenger Kontrolle und barbarischer Unterdrückung von Migrant_innen.

Hier besteht kein Kompromiss, es besteht keinerlei Möglichkeit mit den Kräften, die dem europäischen Krisenregime seine Form verleihen und es vorantreiben, überein zu kommen.

Die einzige Möglichkeit, die wir sehen, ist ein offener und zerstreuter, breiter und autonomer gesellschaftlicher Widerstand. Ein Widerstand, der der Basis entspringt, und der wütend gegen diese Regierungsform angeht. Ein Widerstand der auch in der Lage ist, Konflikte wirkungsvoll zu entfalten sowie gemeinsame Alternativen auf allen Ebenen – von der Lokalebene bis zur Europaebene – zu entwickeln.

Es ist an der Zeit, unter Berücksichtigung der Autonomie lokaler Bewegungen, ein ganzes Netz nachhaltiger Proteste zu weben und zu organisieren, die den Menschen das wiedergeben, was ihnen genommen wird: ein Grundeinkommen und soziale Fürsorge, Wohnungen, grundlegende Gemeingü- ter wie Wasser, Energie und Verkehrsmittel, hochwertige Bildung und Information, Arbeits- und so- ziale Rechte, Bewegungsfreiheit und allgemein das Recht auf ein würdevolles freies Leben.

In diesem Sinne ist es unsere Absicht, dieses Europa im wahrsten Sinne des Wortes zu „blockupieren” und unser Europa aus der Basis neu aufzubauen. Unser Kampf und die Konflikte sind offen, viral und veränderbar. Sie sind getragen von sozialen Praktiken, die neu erfunden, vervielfältigt und von uns allen praktiziert werden können.

Das Europa, das wir uns vorstellen, ist nicht die durch die Institutionen beherrschte, geografisch begrenzte Region, von der normalerweise die Rede ist. Wir denken stattdessen an ein euro- mediterranes Europa, dessen Einheit sich aus den gemeinsamen und vielfältig stattfindenden Kämpfen definiert, die gegen die gleiche rücksichtslose und brutale Durchsetzung des Neoliberalismus geführt werden. Es bedeutet für uns eine neue Topografie der Proteste: Von Westeuropa bis in die Balkan-Regionen, von Osteuropa aus in den gesamten südlichen Mittelmeerraum , wobei wir den ‘Arabischen Frühling’ als einen entscheidenden Impuls für den konstituierenden Prozesses sehen, den wir suchen.

Inzwischen leben wir alle am Rand des neoliberalen Europas. Wir leben seither permanent in der Krise und permanent am Rande der Verzweiflung. Dies wollen wir nicht länger hinnehmen. Wir wollen unser Leben und unsere Würde zurück. Wir wollen unsere Zukunft zurück, denn Leben ohne Zukunft ist wertlos.

Wir rufen deshalb von überall in Europa die Menschen auf, die bereits um ihre Rechte kämpfen und Menschen, die kämpfen und die den Herrschenden das Heft aus der Hand nehmen, ins Zentrum der Macht gelangen und zählen wollen. Der öffentliche Diskurs muss befreit werden von der Starre des Erduldens. Jetzt besteht die Chance, überall zu agieren und uns auf der allgemeinen europäischen Ebene zu verbinden.

Wir werden in Frankfurt sein vom 30. Mai bis zum 1. Juni. Wir nehmen teil an den Aktionstagen zur Blockade der EZB.
Wir werden uns zu Tausenden in Frankfurt einfinden, um uns mit unserer Kraft und unserem gan- zem Körper gegen die Krise, die Troika und gegen diejenigen, die ein Europa kreiert haben, das wir nicht wollen, zur Wehr zu setzen. Wir verdienen es, dass all diejenigen, die uns all das genommen haben, was das Leben lebenswert macht, verschwinden.

Que se vayan todos!

Es ist eine Frage von Liebe, Würde und Wut.

Save the Date – Termine:

  • Wir treffen uns während der Aktionswoche um den zweiten Jahrestag von 15M
  • In Frankfurt zu BLOCKUPY (vom 30. Mai bis zum 1. Juni)
  • Zu dezentralen internationalen Protesten am 1. Juni, ausgerichtet vom Bündnis “Peoples uni- ted Against the Troika”/”Que Se Lixe a Troika”
  • In Athen zum AlterSummit (7. bis 9. Juni)
  • Und zu allen lokalen Protesten für unsere Sache: Blockupying Europe.

freigegeben durch das Internationale Blockupy Vorbereitungsplenum in Frankfurt, April 27th