Hochschulpolitischer Aufruf zum BLOCKUPY-Aktionstag

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Pillow Fight Flash Grimm-Zentrum

Ein Hort der Konkurrenz

Der Neoliberalismus macht vor nichts halt und verwandelt auch den letzten Winkel unserer Gesellschaft in einen Ort des Wettbewerbs. Als Studierende spüren wir das täglich aufs Neue, denn alles ist knapp und wird stetig knapper: Praktika, HiWi-Stellen, Sitzplätze in Seminaren und Bibliotheken und nicht zuletzt gute Arbeitsplätze nach dem Studium. Nur die Besten kommen durch, sagen sie. Entsprechend werden wir von Beginn an als Konkurrent*innen durchs Studium gehetzt. Wird es danach besser? Im Gegenteil! Viele wissenschaftliche Mitarbeiter*innen hangeln sich von prekärem Werkvertrag zu schlecht bezahltem Lehrauftrag, stets darauf hoffend, irgendwann einmal der oder die glückliche Inhaber*in einer unbefristeten Stelle zu sein. Und selbst zwischen den Unis herrscht brutaler Wettbewerb: Nur wer die meisten Drittmittel einwirbt, bekommt das nötige Geld, um die chronische Unterfinanzierung der Hochschulhaushalte auszugleichen. Die Drittmittel allerdings erhält nur, wer Privatwirtschaft und Militärforschung am hemmungslosesten die Tore öffnet.

Humankapital von morgen

Auch inhaltlich ist unser Studium fremdbestimmt. Es ist kein Zufall, dass wir Anwesenheitspflichten oder unkritischen Lehrinhalten ausgesetzt werden. Denn Funktion der marktorientierten Hochschule im Kapitalismus ist die Ausbildung unternehmerischer Subjekte. Während früher noch die meisten Lohnabhängigen am Fließband standen, werden die Arbeiter*innen in modernen Informationsgesellschaften zunächst einmal durch die Ausbildungsfabrik Universität geschickt. Deshalb haben wir auch nicht die Gelegenheit zu lernen, was für uns oder die Gesellschaft am sinnvollsten wäre. Das Ziel sind einzig und allein Arbeitskräfte, die möglichst profitabel vom Kapital eingesetzt werden können.

Der neoliberalen Uni die Federn rupfen

Doch die Universitäten produzieren nicht nur das passende Personal für den modernen Kapitalismus. Sie erfüllen eine noch viel grundlegendere Funktion in der Ausbrütung einer Ideologie, die uns dazu anhalten soll, das tagtägliche Unglück einfach hinunterzuschlucken, Sozialabbau als notwendige Reformen zu akzeptieren und uns gegen die scheinbare Alternativlosigkeit der gegenwärtigen Trostlosigkeit bloß nicht zu wehren. Doch wir haben keine Lust, uns an unseren Unis durch die Mühlen der Konkurrenz jagen zu lassen und dieses Trauerspiel widerspruchslos hinzunehmen. Deshalb rufen wir am 2. September 2016 zum Anti-Wettbewerb-Wettbewerb auf. Im Rahmen des BLOCKUPY-Aktionstages wollen wir gemeinsam mit allen Menschen, die einfach keine Lust mehr auf die durch und durch ökonomisierte Hochschule haben, den alltäglichen Wahnsinn an der Uni unterbrechen und mit einer phänomenal-bunt-chaotischen Kissenschlacht der neoliberalen Uni die Federn rupfen.

Das Grimm-Zentrum: Ein Symbol der unternehmerischen Hochschule

Welcher Ort würde sich dazu besser eignen als das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität? Das angebliche Bibliothekswunder in Berlin-Mitte, in dem doch das größte Wunder eben darin besteht, sich im Wettbewerb um einen freien Arbeitsplatz gegen die konkurrierenden Kommiliton*innen durchzusetzen; die preisgekrönte Zentralbibliothek, in der Laufstegatmosphäre und sexistische Mackersprüche den verbliebenen Spaß an der wissenschaftlichen Betätigung komplett verderben. Symbolisch thront sie zwischen Bahnhof Friedrichstraße und dem Hauptgebäude der HU; in ihrer symmetrischen Anordnung verkörpert sie die gleichförmige und eintönige Langeweile der Massenstudierendenhaltung par excellence. Inspiration und Utopie geht anders! Dafür werden wir sorgen und am 2. September um 18 Uhr die Traurigkeit aus dem Grimm-Zentrum hinauskehren. Dafür bringen wir jede Menge chaotischen Spaß mit und sorgen für ein riesengroßes Durcheinander. Wollen wir doch mal schauen, wer im Anti-Wettbewerb-Wettbewerb den Sieg davon trägt und die Kissenschlacht für sich entscheidet. Das Centrum für Hochschulentwicklung wird ein Ranking erstellen und die Gewinner werden im Restaurant „Borchardt“ vom exzellenten Kochteam Christian, Sabine und Peter bekocht.

Beteiligt Euch am BLOCKUPY-Aktionstag und macht mit bei der phänomenal-bunt-chaotischen Kissenschlacht im Grimm-Zentrum der HU am 02. September 2016 um 18 Uhr!

la:iz FU Berlin

p.s.: Bringt Kissen mit!