Arbeitsgruppen

Wir wollen das Blockupy-Festival nutzen, um in fünf dreitägigen Arbeitsgruppen die wichtigsten strategischen Probleme zu diskutieren, die in den sozialen und politischen Kämpfen der letzten Jahre aufgetaucht sind. Während in den weiteren Workshops spezifische Fragen, die in einzelnen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen relevant sind, diskutiert werden können und sollen, geht es bei den dreiteiligen Arbeitsgruppen vor allem um Querschnittsfragen, die in verschiedenen Feldern von Bedeutung sind. Ziel ist eine möglichst kontinuierliche Diskussion über drei Tage. In diesen fünf Arbeitsgruppen werden Menschen aus verschiedenen Ländern, aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und politischen Strömungen miteinander sprechen und arbeiten.

Bitte registriert euch hier, wenn ihr an den Arbeitsgruppen (Freitag, Samstag, Sonntag, jeweils 10-13h) teilnehmen möchtet. Eine Anmeldung für das sonstige Festivalprogramm ist nicht erforderlich.


Arbeitsgruppe 1:

Transnationale Vernetzung und Strategien des Widerstands


Freitag | 21. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Spiegelsaal
Samstag | 22. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Spiegelsaal
Sonntag | 23. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Spiegelsaal

Gegen die EU-Austeritätspolitik mit ihren dramatischen Folgen gibt es jetzt eine Renaissance der transnationalen Zusammenarbeit und Vernetzung. In Zeiten softer „Crisis is over“-Rhetorik der Herrschenden, harter Realität im Alltag der Vielen und ungleichzeitiger Entwicklungen versuchen wir – in unterschiedlichen Konstellationen – die schwierige, dringend nötige Mobilisierung.

Dabei trifft sich ein „Mosaik“ des linken, emanzipatorischen Widerstands gegen das Krisenregime. Zwischen sozialen Kämpfen, „klassischen“ oder „postidentitären“ Bewegungen, Gewerkschaften, NGOs, neuen Parteien usw. kommt es zu Bündnissen, gemeinsamen Kampagnen, Diskussionszusammenhängen und kontinuierlicher Zusammenarbeit, europaweit und darüber hinaus. In diesen Vernetzungen geht es oft um weit mehr als Abwehrkämpfe. In neuen Formen der Mitbestimmung, Verteilung, grenzüberschreitenden Solidarität entstehen Anfänge einer anderen Gesellschaft, mit allen Erfahrungen der Selbstermächtigung, aber auch der eigenen Grenzen.

Allerdings ist dieses transnationale „Mosaik“ bisher ein lockerer Zusammenhang und seine unmittelbare Wirkung ist weiterhin sehr begrenzt. Im Vergleich beispielsweise zum Europäischen Sozialforum (ESF) – mit all seinen Stärken und Schwächen – müssen wir eingestehen, dass wir den Organisierungsgrad des letzten Jahrzehnts bei weitem nicht erreicht haben. Aber vielleicht wollen wir das ja auch gar nicht?

In dieser Arbeitsgruppe diskutieren wir, welche Vernetzung wir brauchen, um Widerstand gegen das Krisenregime stark zu machen. Wir wollen dazu aus bisherigen Projekten und aktuellen Erfahrungen der Zusammenarbeit lernen. Wir fragen nach den Subjekten des Widerstands (Wer ist aktiv und erreichbar?) und nach den Spannungsfeldern, in denen wir uns bewegen (z.B. zwischen sozialen Kämpfen, Widerstand gegen die Institutionen und Systemveränderung). Welche gemeinsamen Aktionen, Kampagnen und Ausdrucksformen sind möglich und nötig? Welche neuen Strukturen der Kommunikation und Erfahrungsweitergabe suchen wir? Wie gelingt uns ein starkes, gemeinsames Narrativ – machen wir durch Risse im kapitalistischen Beton hindurch die Alternativen sichtbar, für die wir kämpfen? Oder was brauchen wir sonst?

Mit Aktivist*innen von Global Project (Italien), Transnational Institute (Amsterdam), PODEMOS (Spanien), 15-M (Spanien), Precarious (Dis-)Connections (Italien), Corporate Europe Observatory (Brüssel), INR (Prag), Antiautoritäre Bewe- gung/Beyond Europe (Griechenland), AlterSummit u.a. Mitveranstalter*in: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Sprache: Englisch


Arbeitsgruppe 2:

Kämpfe um die soziale Infrastruktur in Europa


Freitag | 21. November | 10:00-13:00 Studierendenhaus | Uni-Campus Bockenheim | Mertonstraße 26-28 | Festsaal
Samstag | 22. November | 10:00-13:00 Studierendenhaus | Uni-Campus Bockenheim | Mertonstraße 26-28 | Festsaal
Sonntag | 23. November | 10:00-13:00 Studierendenhaus | Uni-Campus Bockenheim | Mertonstraße 26-28 | Raum K 4

Die vielleicht lebendigsten Kämpfe in ganz Europa werden um das geführt, was wir Institutionen sozialer Infrastruktur, gesellschaftliche Daseinsvorsorge, öffentliche Güter oder Commons nennen. Hier gelingt es oft, breite gesellschaftliche Bündnisse zur Verteidigung von Wohnraum, Gesundheitseinrichtungen oder öffentlichen Räumen zu mobilisieren.

Obwohl diese Kämpfe aus der Defensive heraus stattfinden (müssen), entstehen Praxen und Diskurse, die sich auf eine neue soziale Infrastruktur beziehen und weit über die Verteidigung bisheriger wohlfahrtsstaatlicher Institutionen hinausgehen. Individuen und Kollektive nehmen die soziale Infrastruktur in einzelnen gesellschaftlichen Bereichen konkret selbst in die Hand. Wie können diese Kämpfe über die einzelnen Bereiche hinaus in Richtung auf eine
neue Gesellschaft weiterentwickelt werden? Was können wir voneinander lernen?

Mit Joachim Hirsch und Eva-Maria Krampe (links-netz), Werner Rätz und Thomas Eberhard-Köster (Attac) sowie Aktivist*innen von Solidarity4all (Griechenland), Alpha Kappa (Griechenland), Dinamo Press (Italien), All at alla (Schweden), Kotti & Co. (Berlin), Interventionistische Linke u.a. Mitveranstalter*in: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Sprache: Deutsch/Englisch (mit Simultanübersetzung)


Arbeitsgruppe 3:

Das Krisenregime als europäisches Herrschaftsprojekt
nach innen und außen


Freitag | 21. November | 10:00-13:00 Haus der Jugend | Deutschherrnufer 12 | großer Saal
Samstag | 22. November | 10:00-13:00 Café ExZess | Leipziger Straße 91
Sonntag | 23. November | 10:00-13:00 Café ExZess | Leipziger Straße 91

Ob Troika-Memoranden, TTIP, Ukraine-Krise, Reproduktionskrise oder Frontex: Stets sind wir auch mit der Frage beschäftigt, welche Maßnahmen der Herrschenden und welche Zustände uns bevorstehen und wie wir uns den Zusammenhang unterschiedlicher Politiken und Missstände erklären. Dabei gehen die Einschätzungen oft weit auseinander, mit wem oder was wir es konkret zu tun haben. Wie schätzen wir die gegenwärtige Situation ein?

Ist die Krise vorbei? Gelingt den Herrschenden die Normalisierung des Austeritätsregimes? Haben wir es mit einem sich festigenden „Neoliberalismus 2.0“ zu tun? Wie verändern sich die gesellschaftliche Arbeit und die Lebensweise durch die Prekarisierung der Arbeits- und
Lebensbedingungen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Krise in Europa, der mit ihr verbundenen machtvollen Restrukturierung des europäischen Kapitalismus in der globalen Konkurrenz und Projekten wie dem Wettbewerbspakt oder der „transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft“ (TTIP)? Wem nützen sie und auf welche Veränderungen zielen sie? Welche Rolle spielt die EU in der Welt, im Verhältnis zum „globalen Süden“ und zu jenen, die in Europa Zuflucht und ein besseres Leben suchen? In welchem Verhältnis steht die EU zu den
USA? Wie ist die Dynamik der Militarisierung in der EU einzuschätzen und in welchem Verhältnis steht sie zur NATO?

Mit Jannis Milios (Syriza), Tobias Pflüger (Informationsstelle Militarisierung, DIE LINKE), John Kannankulam (Uni Marburg), Jens Wissel (Uni Kassel), Niko Huke (Uni Hamburg), Fre- derico Pinheiro (Attac Portugal), Neva Löw (Wien), Martin Konecny (Wien) u.a.

Mitveranstalter*in: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung Sprache: Deutsch/Englisch (mit Simultanübersetzung)


Arbeitsgruppe 4:

„Neu siegen lernen“: Ein Austausch über Prozesse der Konstituierung von Gegenmacht, Strategien der Wirksamkeit und Bündnispolitiken


Freitag | 21. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Thekenraum
Samstag | 22. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Thekenraum
Sonntag | 23. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Thekenraum

Samstag | 22. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Thekenraum

Sonntag | 23. November | 10:00-13:00 Türkisches Volkshaus | Werrastraße 29 | Thekenraum

Die dreiteilige Arbeitsgruppe wird „Strategien der Wirksamkeit“ unserer politischen Arbeit diskutieren und einen breiten Austausch über Gegenmacht-Prozesse in der Perspektive radikaler gesellschaftlicher Veränderung und neuer „Regierung“ beginnen. Wir werden das in
verschiedenen politischen Hinsichten und in Blick auf verschiedene (europäische) Regionen tun. Dazu wollen wir die jeweiligen Kräftekonstellationen (stabilisierte Austeritätsregime,
Entdemokratisierung, konkrete Institutionen) zu den neu entstandenen Protestformen „von unten“ wie auch zu neuen Akteuren, Netzwerken und Bündnissen ins Verhältnis setzen und dabei jeweils der Frage folgen, wie sich Selbstorganisierung und Repräsentation, „Macht der Straße“ und „Hauptquartiere der Macht“ (von der kommunalen bis zur europäischen Ebene) in fortschrittlicher Weise aufeinander beziehen (könnten). Gibt es schon neue Beziehungen von sozialen Bewegungen, linken Parteien,Gewerkschaften – und wenn ja, wo und wie? Können sie potenziell linken Regierungen Handlungsspielräume zu eröffnen – und könnten solche Regierungen umgekehrt Handlungsspielräume für soziale Kämpfe schaffen?

Wie laufen eigentlich „Cross-over-Projekte“, die auf gesellschaftliche Mehrheiten zielen, was ist aus dem Scheitern früherer Versuche zu lernen? Gibt es neue Dynamiken? Können und wollen wir sie auf Dauer stellen? Wir wissen, dass wir diese und ähnliche Fragen aktuell nicht erschöpfend beantworten können. Unser Ziel ist, ihnen erste strategische Orte zu schaffen.

Mit Aktivist*innen der Democratic Socialists (Slowenien), SEL/Lista Tsipras (Italien), Global Project (Italien), PODEMOS (Spanien), Solidarity4all (Griechenland), AlterSummit u.a.

Mitveranstalter*in: Rosa-Luxemburg-Stiftung Sprache: Englisch


Arbeitsgruppe 5:

Neuformierungen der Rechten als Schwäche der Linken? – Abwehrkämpfe und rechter Roll-Back


Freitag | 21. November | 10:00-13:00 Studierendenhaus | Uni-Campus Bockenheim | Mertonstr. 26-28 | Raum K 2
Samstag | 22. November | 10:00-13:00 Studierendenhaus | Uni-Campus Bockenheim |
Mertonstr. 26-28 | Raum K 2
Sonntag | 23. November | 10:00-13:00 Studierendenhaus | Uni-Campus Bockenheim |
Mertonstr. 26-28 | Raum K 2

Überall in Europa nutzen Rechtspopulisten die aktuelle Situation zur Neugruppierung ihrer Kräfte. Sie sehen im Lichte der Euro-Krise und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen gute Chancen, das Gewicht nationalistischer und einwanderungsfeindlicher Positionen zu stärken.
Mitunter spielen sich kultureller Rassismus und religiöser Fundamentalismus bzw. Islamismus dabei gegenseitig die Bälle zu. Und fast immer dringen die Rechten in ehemals linke Milieus vor, übernehmen teilweise sogar Selbsthilfestrukturen vor Ort und versprechen, den „kleinen Mann“ gegen „die da Oben“ zu verteidigen. Die antifaschistische Bewegung tut sich mit der Analyse dieses europäischen Rechtsrucks noch schwer. Eine Diskussion zur Einschätzung der extremen Rechten sowie zur Entwicklung antifaschistischer Gegenstrategien ist daher dringend notwendig. Welche Konsequenzen hat der Auf-schwung rechter und reaktionärer Bewegungen für das (Selbst-)Verständnis der Linken als populare Kraft, die im Handgemenge intervenieren will? Mit welchen Widersprüchen muss die Linke da umgehen (können)?

Mit Aktivist*innen von beyond europe, plan c (Großbritannien), Alpha Kappa (Griechenland), syspirosi akaton (Zypern), Ums Ganze, Interventionistische Linke u.a. Mitveranstalter*in: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Sprache: Englisch

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

last updated: 15. November 2014